Pflanzen selbst aus Samen ziehen - Die ultimative Checkliste

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Verschiedene Samen haben verschiedene Ansprüche. Heute verrate ich euch, wie ihr optimale Keimbedingungen schaffen könnt und worauf ihr sonst noch achten solltet, damit sich aus eurem Saatgut gesunde und kräftige Pflänzchen entwickeln. Zusätzlich könnt ihr euch an den Angaben auf der Rückseite der Samenpäckchen orientieren.
Anzucht-Collage-Steiermarkgarten

Optimale Lichtverhältnisse

Bei Samen unterscheidet man zunächst einmal zwischen Lichtkeimern und Dunkelkeimern.
Lichtkeimer benötigen - wie der Name schon vermuten lässt - viel Licht um zu keimen. Man drückt diese Samen also nur leicht in die Erde bzw. bedeckt sie nur mit ganz wenig Erde. Sie sind meist sehr klein und haben zu wenig Energie, um den Keimling durch eine dicke Erdschicht zu bringen. Typische Lichtkeimer sind zum Beispiel Karotten, Kopfsalat, Dill und Gartenkresse.
Auch Chili-, Paprika- und Tomatensamen wollen zum Keimen nur mit einer hauchdünnen Erdschicht bedeckt werden.
Im Gegensatz dazu keimen Dunkelkeimer nur bei ausreichend Dunkelheit. Man drückt sie ein paar Zentimeter in die Erde und bedeckt sie mit Erde, da ihre Keimung durch zu viel Licht gehemmt würde. Zu ihnen zählen zum Beispiel Erbsen, Kürbisgewächse und Kapuzinerkresse.
Als Faustregel gilt: Je größer die Samen, desto tiefer wollen sie in die Erde.
Keimling-Steiermarkgarten

Sobald sich die ersten Keimlinge aus der Erde strecken, brauchen alle Pflanzen ausreichend Licht. In unseren Breitengraden ist das Vorziehen von Pflanzen im Haus nicht so einfach, weil das nötige Licht hier oft fehlt. Am besten sucht man sich einen Ort an dem möglichst lange am Tag möglichst viel Tageslicht gelangt, z.B. auf einer Fensterbank an einem Südfenster. Man kann auch mit speziellen Wachstumslampen und Pflanzenleuchten aushelfen, wie z.B. diesen*:
  

Optimale Temperatur

Weiters unterscheidet man Warmkeimer von Kaltkeimern.
Warmkeimer sind wärmeliebende Samen wie zum Beispiel Tomaten, Paprika und Chili, die erst ab Temperaturen um die 20°C beginnen zu keimen.
Kaltkeimer sind Samen, die erst nach einer bestimmten Kälteperiode keimen wollen. Typische Kaltkeimer sind Eibisch und Zwiebelpflanzen. Deshalb werden Blumenzwiebeln wie Narzissen, Tulpen und Schneeglöckchen schon im Herbst in den Boden gesteckt.
Anzucht-Tomate-Steiermarkgarten

Gemüsesorten wie Paprika und Tomaten haben eine lange Kultivierungszeit und brauchen von Beginn an einen passenden Standort. Zum Keimen lieben sie es kuschelig warm. Danach sollte man sie jedoch kühler stellen, weil sie sonst zum „Vergeilen“ neigen. Durch das unnatürliche Wärme-Licht-Verhältnis im Haus entwickeln sich nämlich schnell kränkliche, schwache Pflanzen. Nach der Keimung also besser kühler und trotzdem so hell wie möglich stellen. Je höher die Temperaturen, desto mehr Licht brauchen die Pflänzchen.

Hier hat Marie von wurzelwerk.net einen interessanten Beitrag über das Vorkeimen von Samen geschrieben.

Die passende Erde

Anzuchterde ist nährstoffarm und frei von Keimen. Damit bietet sie den Samen einen idealen Start ins Pflanzenleben. Man verwendet sie für alle Pflänzchen, die vorgezogen werden, sowie für Kräuter, von denen die meisten ohnehin nur wenige Nährstoffe brauchen.
Samen, die nicht zur Anzucht verwendet, sondern direkt im Freiland ausgesät werden, werden gleich in die für sie passende Erde gesät.

 Anzuchttöpfe

Je nach Belieben kann man spezielle Anzuchttöpfe, Zimmer-Gewächshäuser oder Ähnliches kaufen, wie z.B. diese*: 

Aber auch leere Eierkartons, Klopapierrollen, Tetra Paks u.s.w. können für die Anzucht verwendet werden. Im Internet findet man unzählige Ideen dazu. Hier zeigt euch Caro von hauptstadtgarten.de zum Beispiel 5 Anzuchttöpfe, die ihr wahrscheinlich schon zu Hause habt.
Damit man die Pflanzen später noch auseinander kennt, sollte man die Töpfchen von Anfang an beschriften. Ich bin mir jedes Jahr sicher, dass ich mir merken werde, wo ich was gesät habe und nach dem Pikieren, Umtopfen und immer wieder Umstellen habe ich es erst vergessen.
Anzucht-Beschriftung-Steiermarkgarten

Wasser

Alle Samen brauchen Wasser um zu keimen. Im Idealfall hält man die Erde während der Anzucht mit Hilfe eines Wasserzerstäubers gleichmäßig feucht. Damit wird einerseits gewährleistet, dass sie nie so sehr durchnässt wird, dass die Samen schwimmen (das könnte dazu führen, dass die Samen faulen). Andererseits wird vermieden, dass die Erde oder die Samen beim Gießen weggeschwemmt werden, wie es bei einem starken Wasserstrahl der Fall wäre.
Bei der Anzucht von Warmkeimern empfiehlt es sich, eine Folie über das Anzuchtgefäß zu stülpen, um einen Treibhauseffekt zu erzeugen. Dadurch trocknet die Erde trotz hoher Temperaturen nicht so schnell aus und die Samen haben es kuschelig warm.
Anzucht-Treibhaus-Steiermarkgarten

Nachdem die Pflänzchen aufgegangen sind, sollte man weniger gießen. Am besten von unten, indem man das Wasser in die Unterlage gießt. Somit wird auch die Wurzelbildung angeregt.

Der richtige Zeitpunkt

Mich juckt es oft schon im Jänner in den Gartenfingern und ich möchte am liebsten sofort loslegen. Man sollte zuvor jedoch überlegen, ob man den Samen bereits optimale Bedingungen (siehe Wärme-Licht-Verhältnisse oben) und damit die Chance zu kräftigen, gesunden Jungpflanzen heranzuwachsen, bieten kann.
Auf der Rückseite von Samenpäckchen sind ideale Anzucht- bzw. Aussaattermine angegeben.

Pikieren

Von allen Pflänzchen, die gezogen und später in andere Erde umgesetzt werden, können pro Gefäß mehrere Samen gesät und die Keimlinge später pikiert werden. Pikieren heißt nichts anderes, als dass man die Pflänzchen mit Hilfe eines Pikierstabs, Bleistift oder Eisstiel aus dem gemeinsamen Anzuchtstopf in jeweils eigene kleine Töpfchen umsetzt. Pikieren sollte man, sobald sich das erste richtige Blattpaar nach den Keimblättern gebildet hat. Zu diesem Zeitpunkt beginnt nämlich der Konkurrenzkampf um Licht, Platz und Nährstoffe im gemeinsamen Anzuchtstopf. In eigenen Töpfchen mit passendem Substrat können sich die Pflänzchen optimal entfalten.
Zum Pikieren gibt es im Internet unzählige Anleitungen und weitere Details.
Anzuchttopf-vor-Pikieren-Steiermarkgarten
Pikieren-Steiermarkgarten

Abhärten

Bevor vorgezogene Jungpflanzen schlussendlich im Freien landen, sollten sie unbedingt abgehärtet werden. Das heißt bei milden Temperaturen immer wieder ins Freie stellen und in kalten Nächten ins Haus holen. So können sie sich an Wind und Wetter gewöhnen. Nicht nur die Temperaturen, sondern auch die direkten Sonnenstrahlen stellen eine Umstellung für im Haus gezogene Pflanzen dar. Werden sie von einem Tag auf den anderen in die pralle Mai-Sonne gestellt, reagieren sie gerne mit einem Sonnenbrand.
Spätestens nach den Eisheiligen (Mitte bis Ende Mai) können alle Pflanzen im Freien ausgepflanzt werden.


Theoretisch können alle Pflanzen vorgezogen werden. Bei vielen lohnt sich der Aufwand aber nicht, insbesondere wenn sie schon bei niedrigeren Temperaturen ab März direkt im Freiland keimen und wachsen. Man sollte sich zuvor überlegen, wie viel passenden Platz man überhaupt zur Verfügung hat, ob man immer zu Hause ist (gleichmäßige Wasserversorgung) u.s.w. Einige Pflanzen werden außerdem nicht gerne umgepflanzt, weshalb sie lieber direkt an ihrem endgültigen Standort ausgesät werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zum Beispiel Kürbisse nicht gerne umgesetzt werden. Samen, die ich Anfang Mai im Freien unter einer Folie gesät habe, sind am Ende zu stattlicheren Pflanzen herangewachsen, als jene, die ich im April im Haus gezogen und später ausgepflanzt habe. Auch bei Erbsen und Lauch lohnt sich meiner Meinung nach der Aufwand nicht. Diese Samen kann ich unter Verwendung einer Folie ohnehin schon ab März im Freien säen.

Viel Erfolg und liebe Grüße,

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Pflanzen-selbst-aus-Samen-ziehen



Kommentare:

  1. Interessant auch für Balkonien. Lg aus Wien

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    1. Super, das freut mich!
      Liebe Grüße aus dem grünen Herzen Österreichs,
      Carina

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  2. Dein Beitrag kommt gerade im richtigen Moment! Nachdem ich in der Bloggerwelt so viel über Aussaat gelesen habe, ist mir doch glatt ein kleines Aussaatset in den Einkaufswagen gehüpft!!! Haha... und das, obwohl ich ja mit Gemüse gar nicht kann!!!
    Ich bin schon sehr gespannt!
    Viele Grüße von Margit

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    1. Liebe Margit,
      das kann ich voll und ganz nachvollziehen! :-) Gemüse aus dem eigenen Garten ist schon ganz was leckeres - schön, dass du es versuchst! Ich wünsche dir viel Erfolg und eine ertragreiche Ernte!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  3. Liebe Carina,
    so ein toller und informativer Beitrag. Ich kann überhaupt nicht Vorziehen und zwar wegen Platz und Lichtmangel. Mit der Aussaat draußen funktioniert es bei uns nicht immer so optimal. Ich habe ein paar Vorschläge aus dem Beitrag mitgenommen und werde sie umsetzen. Danke.
    Liebe Sonntagsgrüße
    Loretta

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    1. Liebe Loretta,
      danke für das Kompliment! Schade... Ohne Platz und ausreichend Licht macht das Vorziehen tatsächlich wenig Sinn. Da ist es wirklich besser zu warten, bis es etwas wärmer wird, um direkt im Freiland auszusäen. Hier sollte es mit passendem Standort und Erde aber klappen. Ich drück dir die Daumen und wünsche viel Erfolg!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  4. Hallo Carina,
    Die ersten Aussaaten im Frühjahr sind immer wie ein Startschuss in die neue Gartensaison. Bei mir stehen schon viele dieser Startschüsse, und einige kommen heute ins Kaltgewächshaus zum Abhärten.
    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      so ist es! Da kommt Freude auf :-)
      Viel Erfolg und liebe Grüße,
      Carina

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  5. Liebe Claudia,
    jetzt wird es langsam Frühling und ich freue mich aufs Vorziehen von Tomaten und Co.
    In dieser Woche geht es bei mir los.
    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Liebe Tina,
      mir macht das Vorziehen auch immer viel Spaß - damit beginnt bei mir die Gartensaison.
      Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg dabei!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  6. Liebe Carina,
    ich bewundere alle Menschen, die die Geduld aufbringen, aus Samen Pflanzen vorzuziehen, um sie später im Garten auszupflanzen. Mein Vater hat das auch gemacht. Die Fensterbänke standen voll. Mir fehlt der Platz dafür, das Licht und auch ein bißchen die Geduld.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg. Aber bei so viel Fachwissen kann ja gar nichts mehr schiefgehen.
    Liebe Grüße
    Edith

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    1. Liebe Edith,
      es macht wahnsinnig viel Freude zu beobachten, wie sich aus Samen kleine Pflänzchen und später kräftige Pflanzen entwickeln. Ich ziehe jedoch auch nur wenige Pflanzen vor. Manche robuste werden ab März gleich direkt ins Freiland gesät und manche Pflänzchen kaufe ich zu - insbesondere, wenn ich nicht so viele Stück brauche wie das Samenpäckchen hergibt.
      Danke dir für die Wünsche und das schöne Kompliment!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  7. Hallo und danke für den hilfreichen Artikel. Vieles wusste ich bereits, obwohl ich kaum was aussäe, da es auch so schon reichlich wächst oder sich selber sät. Habe letztes Jahr unter dem Baldrian direkt kleine Pflänzchen entnommen. Auch andere Pflanzen sind es gewohnt, sich selber zu säen und damit schon im Herbst zu keimen und aufzugehen. Bin mal gespannt, ob die Setzlinge es geschafft haben, noch ist bei mir Matschzeit.

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    1. Hallo,
      danke für dein Kommentar! Das stimmt, bei mir sät sich auch einiges selbst aus. Leider nicht immer dort wo ich es gerne hätte :-)
      Liebe Grüße,
      Carina

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  8. Hallo Carina,
    Ihr habt einen sehr schönen Blog. Hier werde ich in Zukunft sicher öfter einkehren und z.B. Gemeinsamkeiten oder Unterschiede im Gärtnern zwischen Nord und Süd aufspüren. Ich freue mich immer, wenn ich etwas Neues kennenlernen kann. Liebe Grüße

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    1. Liebe Birgit,
      danke für das Kompliment! Es freut mich, wenn du öfters hier vorbeischaust! Ich werde bei dir auch immer wieder einkehren!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  9. sehr schön und anschaulich geschrieben
    ich hatte mir im Herbst von einer Tomate ein paar Samen abgenommen
    ich hatte sie auf ein Taschentuch getrichen und trocknen lassen
    jetzt habe ich sie auseinandergezupft und in kleine Töpfe gelegt.. etwas Erde drauf und Wasser und ruck zuck sind 3 aufgegangen
    hatte gar nicht so schnell damit gerechnet ;)
    einer ist etwas mickrig aber 2 werden sicher richtige Pflanzen werden
    ich habe sie nach deinem Tipp jetzt kühler gestellt

    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Liebe Rosi,
      das macht Freude! Wir fahren fast jedes Jahr einige Tage nach Kroatien auf Urlaub und ich finde die Tomaten dort extrem lecker. Daher entnehme ich ihnen auch immer Samen, die ich dann trockne und im Frühling aussäe.
      Super, du wirst sehen: Durch das kühler stellen werden sie viel kräftiger!
      Liebe Grüße,
      Carina

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  10. Ein sehr informativer Beitrag. Vielen Dank dafür!

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    1. Liebe Andrea,
      schön, wenn etwas Interessantes für dich dabei war!
      Danke für dein Kommentar und liebe Grüße,
      Carina

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