Lavendel

Lavendel (lat. Lavandula angustifolia), auch Nervenkräutli, Speik oder Zöpfli genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (lat. Lamiaceae) und ist eine mehrjährige, bedingt winterharte Pflanze. Sie stammt aus den Küstenregionen im Mittelmeerraum und enthält u.a. ätherische Öle, Flavonoide, Phytosterine und Gerbstoffe. In unseren Breiten wird sie gerne im Garten als Zierpflanze mit angenehmem Duft gepflanzt.
Das Kraut hat eine antibakterielle, entzündungshemmende, pflegende, wundheilende und beruhigende Wirkung. Es wird z.B. bei Verkrampfungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder nervöser Unruhe eingesetzt. Außerdem soll es Ameisen von der Terrasse fern halten.

Boden und Standort
Lavendel ist eine typische mediterrane Pflanze und bevorzugt daher einen sonnigen, warmen Standort, idealerweise mit etwas Wind und genügend Abstand zu anderen Pflanzen (mindestens 50 cm). Sie sollte nach Regen oder Tau immer gut abtrocknen können.
Das Kraut fühlt sich in einer nährstoffarmen, wasserdurchlässigen Erde wohl. Wir verwenden Kräutererde oder Gartenerde, die wir mit Sand und Kies im Verhältnis 1:1:1 mischen.
Man kann Lavendel auch hervorragend im Topf kultivieren.

Anzucht im Haus / Gewächshaus / Frühbeet
Lavendel kann in warmen Wohnräumen oder Wintergärten ab Februar vorkultiviert werden. Man legt die Samen in einen Topf mit Anzuchtserde, bedeckt sie nur leicht mit Erde (Lichtkeimer) und hält sie mit Hilfe eines Wasserzerstäubers an einem warmen, hellen Ort gleichmäßig feucht. Die Keimdauer beträgt 1-2 Wochen.
Nach den Eisheiligen können die Pflanzen ins Freie gesetzt werden.

Aussaat im Freien
Eine direkte Aussaat im Freilandbeet ist ab März möglich. Dabei sollte ein Pflanz- und Reihenabstand von mindestens 50 cm eingehalten werden.

Pflege
Lavendel sollte nur mäßig gegossen werden und Staunässe muss unbedingt vermieden werden. Im Freien gepflanzter Lavendel sollte nur bei andauernder Hitze gegossen werden, im Topf gepflanzter Lavendel sollte regelmäßig gegossen werden, am besten morgens.
Eine Kiesschicht um die Pflanze sorgt für eine ideale Wärmespeicherung. Eine Mulchschicht darf keinesfalls aufgebracht werden, weil dadurch zu viel Feuchtigkeit gespeichert wird und leicht Schimmel auftreten kann.
Wenn man den Lavendel ernten will, sollte man ihn während der Blüte fast nicht gießen, weil die Ölbildung sonst reduziert wird.
Der Boden sollte immer wieder gelockert werden, damit sich kein Unkraut ausbreitet.
Einmal jährlich im Frühling (April) sollte eine Düngung mit wenig Kompost oder Kalidünger erfolgen.
Lavendel neigt zum Verholzen. Auf den verholzten Teilen wachsen keine frischen Triebe mehr und so verkahlt der Strauch nach einigen Jahren. Aus diesem Grund ist ein jährlicher, kräftiger Rückschnitt eine wichtige Pflegemaßnahme. Hierzu eignet sich der Frühling, wenn sich die ersten neuen Triebspitzen zeigen und keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Die Triebspitzen werden bis wenige cm über dem Holz zurückgeschnitten. Ins Holz sollte man nicht schneiden, denn verholzte Teile treiben nur schwer wieder aus. Das Auslichten ist unter anderem sehr wichtig, damit wieder genug Luft und Licht zur Pflanze kommt (schützt vor dem Befall mit Schädlingen und Pilzen). Im Herbst sollte kein Rückschnitt mehr erfolgen, weil die Pflanze ab dieser Zeit Energie für die Überwinterung sammelt. Durch regelmäßiges Abernten, d.h. Abschneiden neuer Triebe, wächst die Pflanze buschiger aus und die Verholzung kann verzögert werden.

Blüte und Ernte
Die Blütezeit erstreckt sich in der Regel von Juni bis August.
Die Ernte erfolgt am besten kurz vor dem kompletten Aufblühen der Blüten (zu diesem Zeitpunkt sind die meisten ätherischen Öle vorhanden), wenn einige kleine Blüten bereits geöffnet sind und andere noch geschlossen bleiben, um die Mittagszeit, wenn die Pflanze bereits vom Morgentau getrocknet ist.
Die Blüten werden per Hand abgepflückt oder mitsamt den Blütenstängeln ca. 10 cm unterhalb der Blütenrispe abgeschnitten.

Vermehrung
Die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge, Teilung größerer Stöcke, Ableger oder Samen.

Konservieren
Lavendel eignet sich zum Trocknen. Dazu werden die Stiele zusammengebunden und kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort getrocknet. Idealerweise erfolgt die Ernte hierfür an einem regenfreien, trockenen Tag, damit der Trockenprozess nicht zu lange dauert und keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. Nach ca. 1-2 Wochen ist der Trockenprozess zu Ende, sobald man die Blüten einfach von den Stängeln lösen kann. Sie werden in einem dunklen Papierkarton oder vakuumiert in einer durchsichtigen Plastik-Gefriertüte an einem dunklen Ort aufbewahrt. Man sollte keinen Kunststoff- oder Metallbehälter verwenden, weil dabei chemische Reaktionen erfolgen.

Überwintern
Lavendel im Freien wird mit Stroh oder einem Vlies abgedeckt und so gegen Frost geschützt. Reisig und Laub helfen gegen Austrocknen.
Im Kübel gepflanzter Lavendel sollte ins Haus an einen kühlen, aber frostfreien und möglichst hellen Platz geholt werden. Idealerweise bleibt er nur so kurz wie möglich im Haus (nur, wenn Frost droht). Im Haus werden die Pflanzen nämlich leicht geschwächt und anfälliger für Krankheiten.

Krankheiten und Schädlinge
Die Pflanze ist ziemlich robust. Meistens treten Krankheiten wie Schimmel und Wurzelfäule durch falsche Pflege auf (Staunässe).

Verwendung
  • Lavendelöl: 1 Hand voll getrocknete oder frische Lavendelblüten in ein Schraubglas geben und mit ¼ l Olivenöl übergießen. An einem sonnigen und warmen Ort 3 Tage durchziehen lassen. Dann abseihen, den Blütensatz gut ausdrücken und in einer dunklen Flasche aufbewahren.
  • Badezusatz: 100 g Blüten mit 1l heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und den Sud ins Badewasser geben.
  • Kräuterkissen: Getrocknete Lavendelblüten in ein kleines Kissen füllen und zunähen.
  • Tee: 1 Teelöffel getrocknete Blüten mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen. Dieser Tee beruhigt bei Nervosität und hilft beim Einschlafen sowie Spannungskopfschmerzen. Außerdem hilft er bei Völlegefühl, Blähungen, Herzklopfen und Schwindel. Für einen Migränetee mischt man Lavendel und Rosmarin zu gleichen Teilen und trinkt täglich 1-3 Tassen für 4 Wochen.
  • Man kann essbare Lavendelsorten außerdem in der Küche verwenden, z.B. für Eintopf, Fisch, Geflügel, Lamm, Soßen und Suppen.
  • Eine Tinktur hilft bei Kopfschmerzen, Depressionen und Unruhezuständen.

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