Gartenpraxis

Man lernt durch das TUN. Natürlich sollte man sich zunächst ein gewisses Basiswissen aneignen, z.B. durch Lesen von Fachzeitschriften, Lesen entsprechender Literatur, Besuch eines Seminars und Tipps aus dem Gartencenter. Doch ein richtiges Gespür für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Pflanzen entwickelt sich erst mit der Zeit - indem man sie selbst hegt und pflegt, durch Erfolge und Niederlagen. Aus Fehlern kann man für Zukunft lernen.

Ich habe in meinem ersten Gartenjahr z.B. gleich fünf grundlegende Dinge gelernt, die für Gärtner selbstverständlich sind, die ich so aber nirgends gelesen habe:

1.    Kräuter und Gemüse sind viel lieber im Freien an der frischen Luft als im Haus.
Ich habe oft gelesen, dass kälteempfindliche Sorten erst nach den Eisheiligen nach draußen gestellt werden sollen. Das ist grundsätzlich korrekt, aber die meisten Pflanzen sind viel robuster als ich angenommen habe und man sollte sie unbedingt abhärten. Pflanzen, die ich bis zu den Eisheiligen in meinem warmen Zimmer ans Fenster gestellt habe, waren eher kümmerlich und zart. Pflanzen, die ich hingegen bei Temperaturen ab 10°C und Sonnenschein hinausgestellt und in der Nacht wieder ins Haus geholt habe, sind viel kräftiger gewachsen. Ideal ist ein Gewächshaus, das immer im Freien steht - über Nacht verschlossen, damit es wärmt, und tagsüber offen, damit die Luft zirkulieren kann. Somit erspart man sich das Hin- und Hertragen der Pflanzen zwischen Haus und Freiem.


2.    Aus Samen gezogene Jungpflanzen benötigen anfangs ganz wenig Wasser.
Die ersten Tomaten, die ich selbst aus Samen gezogen habe, habe ich fast ertränkt. Überall ist zu lesen "gleichmäßig feucht halten". Das hat für mich geheißen, dass die gesamte Erde feucht sein soll. Das stimmt auf keinen Fall! Lediglich die 1-2 cm um den Stängel sollten leicht feucht sein bzw. darf die Oberfläche auch leicht antrocknen, die unteren Erdschichten sind dann noch immer feucht. Erst wenn es richtig warm und sonnig ist, muss öfter gegossen werden. Man kann ohnehin sehr leicht erkennen, wann die Pflanzen Wasser brauchen - sie lassen dann ihre Blätter hängen. Durch zu viel Gießen bilden sich jedenfalls Schimmel und Pilze, im schlimmsten Fall geht die Pflanze ein. Wichtig ist auch die Luftzirkulation: täglich mindestens einmal die Fenster öffnen.


3.    Viele nicht winterharte Pflanzen, die über den Sommer im Garten waren, können im Haus überwintert werden, sofern sie nicht viel Wasser benötigen.
Basilikum hingegen werde ich nie wieder im Haus weiterkultivieren. So sehr ich ihn liebe - auch im Haus muss er relativ viel gegossen werden, so dass die oberste Erdschicht meistens feucht ist und das fördert Trauerfliegen. Diese setzen ihre Eier in diese Erdschicht und man wird sie nicht mehr los. Auch mit Mückenstreifen ist da nicht viel zu machen, weil aus den Eiern immer neue Mücken schlüpfen, auch wenn man die lästigen Eltern gerade mit den Mückenstreifen besiegt hat.


4.    Pflanzen brauchen Wasser.
Bei den Pflegehinweisen für manche Pflanzen wie z.B. mediterrane Kräuter oder Pflanzen die im Haus überwintert werden, steht "mäßig gießen". Doch wie viel ist mäßig? Ich war anfangs eher vorsichtig und habe einige Pflanzen viel zu wenig gegossen. Der erste Rosmarin, den ich im Haus überwintert habe, hat aus diesem Grund leider nicht überlebt. Heute weiß ich, dass auch solche Pflanzen regelmäßig gegossen werden sollen - am besten alle 2-3 Tage, dafür jeweils nur geringe Wassermengen. Die Menge hängt von den Temperaturen und der Lichtmenge ab. Indem man den Finger einige Zentimeter in die Erde steckt, kann man eine einfache Probe machen. Fühlt sich die Erde trocken an, ist es Zeit zu gießen. Fühlt sich die Erde feucht an, kann man noch etwas warten.

5.   Ohne Schneckenschutz geht nix.Man weiß, dass bestimmte Pflanzenarten bei Schnecken beliebter sind als andere, aber ich habe beobachtet, dass sie sich über alles hermachen, wenn ihr Lieblinge nicht in der Nähe sind. D.h. wenn Salat und Tomaten nebeneinander gepflanzt wurden, machen sie sich über den Salat her. Gibt es neben den Tomaten weit und breit keine anderen Pflanzen, werden aber auch diese befallen.Außerdem muss man leider überall mit ihnen rechnen. Auf meiner alten riesengroßen Betonterrasse in der prallen Sonne hatte ich ein Balkonkisterl mit Basilikum stehen. Es hat nicht lange gedauert, da war die erste Schnecke schon da. Ich weiß bis heute nicht, wo sie hergekommen ist und wie sie es über den Beton in der Sonne geschafft hat.

Ich erfreue mich heute täglich an meinem schönen Garten, für den ich viel Zeit aufgewendet habe -  für Planung, Anlage, Pflege, ... Immer wieder hat sich etwas verändert, immer wieder lernt man dazu und kommt auf neue Ideen. Es ist ein kreativer Prozess, der sich über viele Jahre zieht und eigentlich nie wirklich ein Ende findet.

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