Brennnessel

Die Brennnessel, auch Nesseln, Donnernesseln, Hanfnesseln oder Eselskraut genannt, ist eine Pflanzengattung in der Familie der Brennnesselgewächse (lat. Urticaceae) und kommt fast weltweit, außer in den Tropen, vor. In Mitteleuropa sind vor allem die große Brennnessel (lat. Urtica dioica) und die kleine Brennnessel (lat. Urtica urens) verbreitet. Sie ist bei vielen Leuten unbeliebt und wird als Unkraut bekämpft. Die Brennhaare hinterlassen auf der Haut schmerzhafte Bläschen. Werden die kieselsäurehaltigen, spröden Zellwände der Brennhaare berührt, brechen diese nämlich ab und der Haarstumpf bohrt sich in die Haut, wo er ein brennendes Gemsich aus Acetylcholin, Histamin und Ameisensäure injiziert. Doch Brennnesseln sind vielseitig nutzbar - als Heilpflanzen mit einem breiten Wirkungsspektrum, Hausmittel und leckere Küchenzutat.
Zu ihren Inhaltstoffen zählen unter anderem Flavonoide, Vitamin B und C, Carotinoide, Mineralstoffe wie Kieselsäure, Kalium und Eisen sowie ungesättigte Fettsäuren. Es werden die Blätter, Samen und Wurzeln verwendet. Brennnesseln haben eine harntreibende, entschlackende, stoffwechselanregende, immunstärkende, blutbildende, schmerzlindernde, schleimlösende Wirkung und helfen bei Rheuma, Gicht, Harnwegsentzündungen und Prostatabeschwerden, gegen Müdigkeit, Hautkrankheiten, Probleme mit der Leber, der Galle oder der Verdauung. Brennnesselblätter finden vor allem als Frühjahrskur Anwendung – zur Entschlackung und Anregung des Stoffwechsels. Auch die Brennnesselsamen enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, sie vitalisieren und wirken sich positiv auf Libido, Potenz, Zeugungsfähigkeit (Samenproduktion) sowie die Milchproduktion stillender Mütter aus. Außerdem helfen sie gegen Haarausfall und verminderten Haarwuchs.
Brennnesseln finden sich fast an jedem Straßenrand. Die große Brennessel wird bis zu 1,5m hoch und besitzt vierkantige Stängel. Die männlichen Blüten stehen waagrecht und tragen ganz kleine, cremeweiße Blütenknöspchen. Die weiblichen Blüten sind kleiner, dunkelgrün und hängen in einer Rispe vom Stängel herab. Bei erfolgreicher Windbestäubung bilden sich kleine, grünbraune Nüsschen, die schwer vom Stängel herabhängen. Die Pflanze vermehrt sich außerdem sehr leicht durch ihre vielen langen Wurzelausläufer. Wer sie jederzeit griffbereit haben will, kann sie auch im eigenen Garten pflanzen, z.B. in einer Ecke oder entlang des Gartenzauns. Auch eine Kultivierung im Topf ist möglich.

Boden und Standort
Brennnesseln wachsen fast überall in stickstoffreichen Böden. Im Halbschatten fühlen sie sich wohler als in der prallen Sonne.
Man kann Brennnesseln auch im Topf kultivieren. Sie benötigen allerdings viel Platz, daher sollte auf eine ausreichende Topfgröße geachtet werden.


Anzucht im Haus / Gewächshaus / Frühbeet
Brennnesseln kann man in warmen Wohnräumen oder Wintergärten ab Anfang März bis Mitte Mai vorkultivieren. Man legt 4-6 Samen in einen kleinen Blumentopf, bedeckt sie nicht oder nur wenig mit Erde (Lichtkeimer) und hält sie mit Hilfe eines Wasserzerstäubers gleichmäßig feucht. Bei einer minimalen Keimtemperatur von 10°C dauert die Keimdauer ca. 10-14 Tage.
Sobald sich die ersten Blätter entwickelt haben, können die Jungpflanzen ab Mitte April ins Freie gesetzt werden.


Aussaat im Freien
Eine direkte Aussaat im Freiland ist ebenso möglich (idealerweise Ende März bis Mitte Mai), allerdings sind manche Brennnesselsamen schlecht keimfähig. Es sollte ein Pflanzabstand von 25-35 cm eingehalten werden. Da sich Brennnesseln sehr rasch über das eigene Wurzelwachstum vermehren, ist die Pflanzung an einer abgegrenzten Stelle im Garten empfehlenswert.


Pflege
Brennnesseln wachsen wie Unkraut und benötigen daher keine Pflege.


Blüte und Ernte
Die Blütezeit erstreckt sich in der Regel von Juli bis September.
Die Erntezeit erstreckt sich grundsätzlich von Mai bis September, wobei schon ab März junge Sprossen und Blätter geerntet werden können. Die Ernte erfolgt am einfachstem mit Hilfe von Handschuhen und einer Gartenschere oder einem scharfen Messer. Durch regelmäßiges Zurückschneiden treiben die Pflanzen immer wieder neu aus.
Zur Ernte des Laubs empfiehlt sich der Zeitraum vom zeitigen Frühling bis zur Blütezeit, d.h. von März bis Juni (für Wildgemüse und Tee). Blühende Brennnesseln schmecken nicht mehr so gut und können leicht faserig werden. Diese finden Verwendung bei rheumatischen Beschwerden. Die Samen werden zur Vollreife im August und September geerntet (zur Stärkung). Die ideale Erntezeit für Wurzeln ist im Oktober oder März (gegen Prostatabeschwerden und Reizblase).


Vermehrung
Die Vermehrung erfolgt durch Ausläufer oder Samen.


Konservieren
Brennnesseln und deren Samen kann man trocknen. Dazu werden die Stiele zusammengebunden und kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort getrocknet. Idealerweise erfolgt die Ernte hierfür an einem regenfreien, trockenen Tag, damit der Trockenprozess nicht zu lange dauert und keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. In luftdichten Dosen oder Gläsern an einem kühlen und trocknen Ort aufbewahrt, kann man das getrocknete Kraut und die Samen ca. 1 Jahr verwenden.


Überwintern
Brennnesseln sind winterhart und können ohne Frostschutz im Freien überwintern.

Verwendung
  • Brennnesselblättertee: 2 Teelöffel getrockneter Blätter mit 250 ml heißem Wasser übergießen,  10 Minuten ziehen lassen und abseihen, regt den Stoffwechsel an und wirkt gegen Rheuma und Gicht, Leberbeschwerden, Magen- u. Darmbeschwerden sowie Frühjahrsmüdigkeit, 3-4 mal täglich trinken, je nach Belieben etwas Apfelsaft, Melisse, Kamille oder Fenchelsamen hinzugeben. Eine Kur, bei der täglich 4 Tassen Brennnesseltee getrunken werden, sollte mindestens 4 Wochen und maximal 8 Wochen durchgeführt werden. 
  • Brennnesselspinat hat ein hohes Gehalt an Eiweiß, Eisen, Kalzium, Magnesium, Silizium sowie Vitamin A und C.
  • Brennnesselpesto: klein gehäckselte Brennnesselblätter mit Pinienkernen oder Walnüssen, Öl, Salz und Zitronensaft abmischen.
  • Brennnesselbutter: 1 Handvoll Brennnesselblätter ganz fein hacken und mit 250 g weicher Butter, etwas geriebener Zitronenschale und 2 zerdrückten Knoblauchzehen verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Getrocknete Samen können z.B. als leckere Salatbeigabe oder frisch auf dem Butterbrot verwendet werden.
  • Einsatz im Garten zur Schädlingsbekämpfung (Brennnesselbrühe) und als natürlicher Dünger (Brennnesseljauche) oder Mulch (Brennnesselschicht + Grasschnitt = Humus).
  • Brennnesseltinktur: bei Allergien und starken Umweltbelastungen

Vor der Verwendung in der Küche als frische Zutat müssen die Brennhaare abgebrochen werden. Dazu legt man die geernteten Blätter auf ein Geschirrtuch, rollt dieses samt den Blättern ein und wringt die Rolle dann (ausdrücken wie ein nasses Handtuch). Auch durch Kochen, Dünsten, Pürieren oder Trocknen werden die schmerzenden Brennhaare unschädlich gemacht.
Zur optimalen Entfaltung der Heilwirkungen wird eine Tagesdosis von 8-12 g der Blätter für einen Zeitraum von 6-8 Monaten, sowie 4-6 g der Wurzeln für eine Langzeitanwendung empfohlen. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt.


 
Inhaltsstoffe im Detail
  • Blätter: bis zu 20 % Mineralstoffe (Kieselsäure, Eisen, Mangan, Kalium, Kalzium), Vitamin A, B2, B5, C, E und K, organische Säuren (Ameisen- und Essigsäure), Azetylcholin, ungesättigte Fettsäuren, Kaffeoylchinasäuren, Flavonoide, phenolische Carbonsäuren, Chlorophyle
  • Wurzeln: Gerbstoffe, Phytosterole, Urtica-Agglutinine, Polysaccharide, 3-ß-Sitosterin, Scopoletin (Kumarin), Isolektine, Lignane
  • Samen: Vitamin E, essenzielle Fettsäuren, Phytohormone
  • Brennhaare: biogene Amine (Histamin, Serotonin)

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